Veranstaltungsinformation
Mahndepot 2010
Holzhofgasse 29 - ORT 65
Hülsensetzung am Sonntag, 07.11.2010, ca 17.30 Uhr
Zum Weihnachtsfest 1940 übertrug die britische BBC einen Gottesdienst aus der Ruine der einige Wochen vorher von deutschen Bombern zerstörten Kathedrale im mittelenglischen Coventry. Dort sagte der Probst der Kathedrale, Dick Howard: »Wir werden uns bemühen, alle Gedanken an Rache auszuschließen, gleich wie schwer uns das fällt, um nach diesem Krieg eine freundlichere und christlichere Welt zu bauen.« Diese beeindruckende, mutige Selbstverpflichtung der Gemeinde sollte eingelöst werden. Sie fand ihr Symbol im Kreuz aus Nägeln des verbrannten Dachstuhls der Kathedrale, dem Nagelkreuz.
In den Jahren 1961/62 wurde in den Ruinen der Kirche ein internationales Versöhnungszentrum errichtet, das sich rasch auch um eine »christliche Geste der britisch-deutschen Versöhnung« bemühte. Als Ort dafür wurde Dresden bestimmt – jene Stadt, die als Symbol stellvertretend für die Folgen des Krieges auch für die deutsche Zivilbevölkerung stand. Unter Leitung von Howards Nachfolger, Probst Bill Williams, sammelte man Spenden in Großbritannien und verhandelte mit den DDR-Behörden, um eine Gruppe Jugendlicher nach Dresden senden zu können. Sie sollten zusammen mit deutschen Altersgefährten einen Flügel des zerstörten evangelisch-lutherischen Diakonissenkrankenhauses für den Wiederaufbau vorbereiten.
Am 14. März 1965 verabschiedete die Gemeinde die Gruppe mit einem feierlichen Gottesdienst. Über sechs Monate hinweg arbeiteten etwa zwei Dutzend britische Jugendliche in Dresden. Der Einsatz endete mit einem Gottesdienst am 9. September 1965, bei dem Probst Williams der Dresdner Diakonissenhauskirche ein Nagelkreuz aus Coventry überreichte. Zwei Jahre später war der Aufbau des Krankenhauses beendet. Die britischen Helfer waren in Dresden mit der Hoffnung angetreten, »die Bitterkeit, die sie bei den Älteren noch spürten, zu überwinden und zu einer unmittelbaren menschlichen Zusammenarbeit zu kommen.« Dies gelang: Abseits der propagandistischen Polemik des staatlichen Gedenkens in Dresden war aktive Versöhnung begonnen worden.
Markiert 2010
[B]Veranstaltungsinformation
Mahndepot 2009
Wehlener Straße 13 (Johannisfriedhof) - ORT 64
Hülsensetzung am Freitag, 13.Februar 2009, 16 Uhr
Drei Monate vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges meldete die Verwaltung des evangelisch-lutherischen Johannisfriedhofs auf Anforderung des Oberbürgermeisters freie Begräbnisflächen für "etwaige Massenbestattungen".
Als im Sommer 1943 alliierte Luftangriffe auf Dresden immer wahrscheinlicher wurden ließ die Stadtverwaltung hier Begräbnisflächen für eine größere Zahl von Luftkriegstoten erschließen. Bis zum Jahresende 1943 entstand ein "Ehrenhain", um den "Terroropfern" eine "in jeder Hinsicht würdige" Ruhestätte zu schaffen.
Gänzlich ohne diesen Anspruch, meist in anonymen Sammelgräbern, begrub man derweil Opfer der nationalsozialistischen Diktatur auf dem Johannisfriedhof:
Polnische und tschechische Bürger, die im Dresdner Landgericht hingerichtet worden waren. Ums Leben gekommene Häftlinge der Dresdner KZ-Außenlager, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.
Nach den Luftangriffen im Februar 1945 waren die vorbereiteten Flächen im Ehrenhain bereits nach zwei Wochen belegt. Unter den bis dahin etwa 1.200 Bestatten befanden sich auch die Eltern der 12-jährigen Anita J., deren Leichen ein Nachbar auf einem Radanhänger zu Fuß aus der Johannstadt hierher gebracht hatte. "Die Toten wurden auf der Seite liegend, ohne irgendwelche Umhüllung bestattet. Jeder Tote hatte ein Feld von 60cm Breite", erinnert sie sich. Nachdem Anfang März 1945 die Leichenverbrennungen auf dem Altmarkt beendet worden waren, stieg die Zahl der Bestattungen auf dem Johannisfriedhof rasch an. Den gesamten Monat über waren holländische Kriegsgefangene "zum Grabenschaufeln" und "Rekognoszieren der Terrorleichen" im Einsatz. Städtische Beamte führten das Register und meldeten die Bestattungszahlen regelmäßig an die Stadtverwaltung.
Zusammen mit den in der Nachkriegszeit Geborgenen sind auf dem Johannisfriedhof mehr als 3.700 Menschen bestattet, die im Februar 1945 in Dresden getötet worden waren.
Markiert 2009
2008:
Setzen eines weiteren Mahndepots. Lesung aus Kurt Vonneguts Roman
»Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug«. Film » Slaughterhouse-Five«
Gravuren des Krieges – Mahndepots in Dresden. Ort 63[/B]
Als 63. Ort erhält das Gebäude Schlachthof 5 im Dresdner Ostragehege ein Mahndepot. Im Keller dieses Gebäudes überlebten mindestens 150 amerikanische Kriegsgefangene die Luftangriffe in der Nacht des 13. Februar 1945, unter ihnen Kurt Vonnegut. Seine Erlebnisse in Dresden verarbeitete Vonnegut 24 Jahre später, 1969, im Roman »Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug«. Mit diesem Buch wurde er zu einem der bekanntesten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts.
Vonneguts Roman beschreibt in surrealistischen Erzählbildern die Schrecken des Krieges. In seiner Darstellung wird Krieg zur sinnlosen Gewalt ohne Helden und Glorie. In wirkmächtigen Worten wird an die Katastrophe der Zerstörung Dresdens erinnert. Der Roman ist dabei Teil der komplexen Geschichte des Umgangs mit dem historischen Ereignis des 13. Februar 1945. In Vonneguts Darstellung erscheint Dresden als vom Krieg völlig unberührte Stadt in märchenhafter Verklärung. Der Roman folgt damit – ohne dass Vonnegut dies deutlich gewesen wäre – den Auslassungen der nationalsozialistischen Propaganda, die Dresdens militärische Bedeutung bewusst verschwiegen hatten. Seine weltweite Verbreitung in Millionenauflagen festigte dieses Erzählbild.
Wir laden die Dresdner herzlich zum Setzen des Mahndepots 63 ein:
Sonntag, 17. Februar 2008, 11 Uhr, Schlachthof 5, Messering 6 (Eingang zur Messehalle 1).
Vor dem Setzen des Mahndepots findet im historischen Keller Schlachthof 5 eine Lesung mit Auszügen aus Vonneguts Roman statt (Sprecherin: Iris Stauch). Zudem werden Ausschnitte aus der 1972 veröffentlichten Verfilmung des Romans (»Slaughterhouse-Five«, Regie: George Roy Hill, Jury-Preis Cannes 1972) gezeigt (in englischer Sprache).
Buchpremiere zum Projekt am 06.02.07 im Stadtmuseum Dresden
Nächste Depotsetzung, Ort 62, anlässlich des 13. Februar
13. Februar 2007, 10 Uhr
Radeburger Str. 12a - ehemals Dr.-Todt-Straße
Der Ort war ein Lager für schwangere Zwangsarbeiterinnen in der ehemaligen Dr.-Todt-Straße, in dem jedes zweite Kind starb.
Buchpremiere "Gravuren des Krieges"
Am 6. Februar 2007, 19 Uhr wurde das 61. Mahndepot vor dem Stadtmuseum im Boden eingelassen. Die anschließende Buchpremiere zu dem Projekt "Gravuren des Krieges" fand im Cafe des Stadtmuseums Dresden, Wilsdruffer Straße, statt.
Es sprachen:
Roland Schwarz, Abteilungsleiter Ausstellungen und Sammlungen (Stadtmuseum)
Mathias Neutzner, Historiker
Manfred Wiemer, Leiter Kulturamt der LH Dresden
